New Millennium Iron – Abmilderung des Gigantismus?

Der angehende, kanadische Eisenerz-Jungproduzent New Millennium Iron (WKN: A1JB2V | ISIN: CA64753V1067)  gab am 28. November per News Release bekannt, dass seit dem Erhalt des endgültigen Entwurfs der Machbarkeitsstudie zum Taconite Projekt Tata Steel und NML eine Überprüfung der Studie bezüglich Wertanalyse und Bewertung von alternativen Produktionsszenarien vorgenommen haben. Die bereits seit langem erwarteten Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sollen nun bis Jahresende veröffentlicht werden. Der technische Bericht soll 45 Tage nach Veröffentlichtung der Highlights der Machbarkeitsstudie auf SEDAR online gestellt werden.

Zum ersten Mal nennt NML die Worte „alternative production scenarios„, welche essentiell und bedeutend für die weitere Entwicklungsplanung von NML sein werden/könnten. Entlang der bindenden Vereinbarung aus März 2011 mit Tata Steel zur Entwicklung des Taconite Projektes galten bisher folgende, optionale Maßstäbe:

  • Tata Steel arrangiert die Projektfinanzierung mit bis zu $4,85 Mrd. für beide Taconite Liegenschaften LabMag und KéMag, oder
  • Tata Steel arrangiert die Projektfinanzierung mit bis zu $4,68 Mrd. für die Liegenschaft KéMag mit einem jährlichen Produktionsziel von 15 Mio. t Eisenerzpellets sowie 7 Mio. t Eisenerzkonzentrat, oder
  • Tata Steel arrangiert die Projektfinanzierung mit bis zu $3,76 Mrd. für die Liegenschaft LabMag mit einem jährlichen Produktionsziel von 15 Mio. t Eisenerzpellets

Tata Steel und NML hatten schon vor einiger Zeit erklärt, dass nur eine der beiden Taconite Liegenschaften – LabMag order KéMag – finanziert und in Produktion gebracht werden würde. Allerdings gibt es viele Spekulationen darüber, inwieweit der damals kalkulierte Investitionsrahmen zur Projektfinanzierung der Vor-Machbarkeitsstudien (LabMag von August 2006 und KéMag von März 2009) aufgrund von Kostensteigerungen weiter auf bis zu $5 bis $6 Mrd. ansteigen könnte, welcher aufgrund der aktuell immer noch unsicheren weltwirtschaftlichen Finanzsituation und des sehr schwachen Rohstoffaktienmarktes (siehe gefallener Aktienpreis von NML, deren Nachbarn und sonstige Rohstoffaktien) unverhältnismäßig und unakzeptabel für eine mögliche Projektfinanzierung wäre. Bei einer Investitionssumme von insgesamt $4,68 Mrd. für KéMag (laut Vor-Machbarkeitsstudie von März 2009) hätte NML neben dem 20%igen „free carry interest“ für den 16%igen „paid equity interest“ $748,8 Mio. aufwenden müssen, welche sich bei einem Schulden-Eigenkapital-Finanzierungsverhältnis von 70:30 auf $524,16 Mio. Schulden und $226,64 Mio. Eigenkapital aufgeteilt hätten. Ein weiter gestiegener Investitionsrahmen in einer bald erscheinenden Machbarkeitsstudie, der in der Bergbau-Realität in der Regel nochmals um 20%-40% übertroffen wird (siehe Kostenentwicklung beim DSO Projekt), hätte den Eigenkapitalanteil, der von NML theoretisch aufzubringen wäre, nochmals deutlich erhöht. Zwar ist der zusätzliche 16% Anteil nur optional, wäre aber für die Aktionäre von NML ein sehr wesentlicher Beitrag zur Entwicklung des zukünftigen „shareholder values“ bei NML, da die Projekteinnahmen nach Joint-Venture-Anteil ausbezahlt werden.

Wenn man jetzt annimmt, dass bezüglich der von NML angesprochenen Produktionsszenarien NML mit einer anfänglich jährlichen Produktionsrate von 10 Mio. t Eisenerzkonzentrat plant und die sehr kapitalintensive Produktion von Eisenerzpellets sowie die teure Errichtung des „ferroducts“ (750km-Pipeline zum Transport des Eisenerzes zum Hafenport) aufgeschoben wird, wodurch der Investitionsrahmen deutlich sinken würde, dann könnte man mit einem Investitionsrahmen von um die $2,0 Mrd. rechnen. Bei diesen Investitionskosten müsste NML für den zusätzlichen 16%igen Joint-Venture-Anteil lediglich einen Betrag von $320 Mio. selbst finanzieren, welcher sich auf $224 Mio. Schulden und $96 Mio. Eigenkapital aufteilen würde. Da der Eigenkapitalbeitrag von NML durch sog. „cash calls“ von der einfordernden Joint-Venture-Gesellschaft mit Tata Steel in periodischen Zeitabständen über den Konstruktionszeitraum gestückelt wird und der Konstruktionszeitraum mind. 3-4 Jahre lang sein dürfte, könnte NML diesen Eigenkapitalbeitrag vermutlich ohne zusätzliche Verwässerung aus den Gewinnen von dem DSO Projekt refinanzieren.

DSO + Taconite Projektliegenschaften von NML

NML Labrador

Bilderquelle: www.nmliron.com | Bilderrechte: © New Millennium Iron Corp.

Die Veröffentlichung der Ergebnisse der Taconite Projekt Machbarkeitsstudie wurden schon seit einiger Zeit erwartet, aber man wurde mit Verzögerungen konfrontiert. Man kann sich selbstverständlich über die Verzögerungen (besonders als Aktionär) ärgern oder aber realisieren, dass Tata Steel und NML nun eingesehen haben, dass das gigantische Taconite Projekt in der damaligen Form unter der Voraussetzung, dass eine Herabsetzung der Produktionskapazität mit gleichzeitiger Aufschiebung der Pelletproduktion und des „ferroducts“ geschehen wird, nicht bei der gegenwärtigen Marktverfassung realisierbar wäre. Wie schlecht der Rohstoffaktienmarkt aktuell ist, erkennt man an dem „all-share deal“-Merger von Champion Iron Mines mit der australischen Mamba Minerals (Marktkapitalisierung AUD $44,4 Mio.), die selbst ein DSO Explorationsprojekt im kanadischen Labrador Trough hält und als Bedingung für die Übernahme eine Privatplatzierung von AUD $10 Mio. sicher stellen soll. Champion Iron Mines hatte sich aus der Konstruktion des neuen Hafenports bei Sept-Iles herausgekündigt und den Minderheitsanteil an dem Attikamagen Projekt an Century Iron Mines per Aktien-, Warrant- und Royaltyüberschreibung verkauft. Champion Iron Mines, die keinen strategischen Partner besitzt, hat wohl keine eigenständige Zukunft mehr gesehen und musste diesen Schritt gehen. Mit Mamba Minerals soll in der neuen Gesellschaft dann zusammen mit dem Investorenkontaktnetzwerk von Chairman O’Keeffe, der damals den mosambikanischen Kohleexplorer Riversdale Mining für stolze $4 Mrd. an Rio Tinto verkaufte, die Finanzierung der bankenfähigen Machbarkeitsstudie und die weitere Entwicklung sicher gestellt werden.

Würden Tata Steel und NML trotzdem dem Gigantismus verfallen, würden die womöglich immens gestiegenen Kosten vor allem NML in Liquiditätsengpässe führen bzw. NML hätte auf einem sehr niedrigem Kursniveau die Ausgabe von neuen Aktien verkünden und seine Aktionäre stark verwässern müssen. Bei einer anfänglichen Produktionsrate 10 Mio. Tonnen Eisenerzkonzentrat und vor dem Hintergrund, dass NML über gigantische Taconite-Eisenerzreserven und -ressourcen verfügt, hätten Tata Steel und NML weiterhin die Möglichkeit (besonders in einer finanziell besseren Situation) langfristig inkrementell aus den Gewinnen von DSO Projekt sowie dem LabMag Projekt die Produktion zukzessive zu erhöhen und u. U. um eine Pelletproduktionsanlage und/oder eine Pipeline als operative kostengünstigere Transportlösung hinzuzufügen.

In einem Exceltool kalkuliere ich häufig alle möglichen Projektparameter durch und habe nun auch für eine mögliche Jahresproduktionskapazität von 10 Mio. Tonnen Eisenerzkonzentrat für die Taconite Liegenschaft LabMag durchkalkuliert:

NML calculation new

Dabei gilt folgendes zu beachten:

  • Wir übernehmen keine Gewähr oder Haftung für die Korrektheit der Ergebnisse und deren Kalkulation. Die Ergebnisse garantieren keine zukünftig reale Entsprechung bzw. Kurs-/Gewinnentwicklungszusicherung Zudem spiegeln die Ergebnisse zum einen nur einen theoretischen, kalkulativen Wert, zum anderen nur innere Werte des Unternehmens wider. An der Börse kann es in einem schlechten Marktumfeld durchaus für eine unbestimmte Zeit lang dazu kommen, dass solche innere Werte nicht oder nur zum Teil Eingang in die Bewertung des Unternehmens finden. Zudem können sich die (angenommenen) Projektparameter u. U. deutlich verändern.
  • die Laufzeit des DSO Projekts wurde offiziell nur auf 10 Jahre prognostiziert. Da NML aber noch über zahlreiche nicht NI43-101 konforme, historische Ressourcen sowie über mehrere aussichtsreiche DSO-Anomalien verfügt und durch die Howse-Akquisition von LIM weitere Ressourcen gutgeschrieben bekommt, kalkuliere ich mit einer Mindestprojektlaufzeit von 15 Jahren für das DSO Projekt.
  • die Produktionsrate von 6 Mio. t pro Jahr für das DSO Projekt gilt ab dem Jahr 2015. Aktuell befindet sich NML noch in der „ramping up phase“.
  • die letzte offizielle Zahl zu den Investitionskosten zum DSO Projekt lag bei $560 Mio. Ich rechne mit einem weiteren Anstieg auf $625 Mio., die ich in meiner Kalkulation verwende. Dadurch steigt der anteilige Betrag von NML an den Investitionskosten auf $65 Mio. an.
  • bei den Projekteinnahmen (JV sales revenues) habe ich zudem mit Eisenerzpremiumpreisen kalkuliert, da NML höherwertige Produkte produziert als die Benchmark-Preise es vorgeben. Pro 1% höherwertigem Eisenerzprodukt werden pro Tonne $2,20 hinzugerechnet.
  • bei den operativen Kosten habe ich bei dem DSO Projekt $30 pro Tonne und beim LabMag Projekt $40 pro Tonne zusätzlich als Sicherheitspuffer miteinkalkuliert. Dies trägt allgemein gestiegenen Kosten (besonders im Bergbau) Rechnung, sowie den Kosten für den Unterhalt des neuen Hafenports und für Verschiffung. Beim LabMag Projekt muss man zudem mit höheren Transportkosten rechnen, da die kapitalintensive, aber operativ günstigere Pipeline-Transportlösung aufgeschoben wird und per operativ teureren Eisenbahn das Eisenerz zum Hafenport transportiert werden würde.
  • auch wenn der Erzkörper von KéMag geographisch kompakter als der von LabMag erscheint, setze ich darauf, dass Tata Steel und NML sich für LabMag entscheiden werden, da diese Liegenschaft deutlich näher an den Timmins Verarbeitungsanlagen und Schienen- und Energieanbindungen liegt. Da die First Nation Gemeinde „Naskapi Nation of Kawawachikamach“ einen 4%ige Anteil an der LabMag Liegenschaft hält, kann NML hier nur auf einen freien 16% JV-Anteil kommen und durch den zusätzlich zu finanzierenden 16%igen Anteil nur auf 32% JV-Anteil kommen. Ich nehme an, dass Tata Steel dann NML bezgl. der 4% zuviel gezahlten Kosten bei der Machbarkeitsstudie ähnlich wie bei den entstandenen Entwicklungskosten rückentschädigen würde.
  • auch wenn es der Markt aktuell nicht hergibt, kalkuliere ich mittel- und langfristig mit einem KGV-Faktor von 10. Momentan (d.h. kurzfristig) sollte man aufgrund der schwachen Marktlage eher einen KGV-Faktor von 4 verwerden. Hier würde das DSO Projekt bei $1,08 und das LabMag Projekt bei $2,31 (16% JV-Anteil) bzw. $4,62 (32% JV-Anteil) stehen.

Man darf auf die Veröffentlichung der offiziellen Zahlen und Fakten der Machbarkeitsstudie zum Taconite Projekt weiterhin sehr gespannt sein. Aktuell soll auch ein Update zum DSO Projekt in Arbeit sein, welches womöglich eine neue, aktuellere Investitionssumme sowie Daten zu Produktionszahlen und zu verschifften Tonnen von Eisenerzprodukten nennen könnte.

NML veröffentlichte im November und Anfang Dezember neue Bilder vom Projektfortschritt des DSO Projektes:

2-Jahres-Chart von NML in Kanada:

 


 

Der Kurzlink zur Blogseite von NML ist: www.copesetic.de/nml/

Hinweis analog zu §34b WpHG: Der Autor (zugleich auch Blogbetreiber) hält Aktien von New Millennium Iron.

Der Autor übernimmt bezüglich Richtigkeit, Genauigkeit, Eintrittswahrscheinlichkeit, Aktualität für die für die Prognose verwendeten und kalkulierten Daten weder Haftung oder Gewährleistung!

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